Die Kirche

Die Kirche

Die Geschichte

Wann und von wem wurde die Kirche erbaut? Hierzu ist wenig Gesichertes überliefert. Zieht man jedoch die Sakralbaugeschichte des Barnim zu Rate, so muss die Bauzeit in die Mitte des 13. Jahrhunderts fallen. Damals herrschten hier die Markgrafen Johann I. (Regierungszeit 1220 – 1266) und Otto III. (Regierungszeit 1220 – 1267) aus dem Geschlecht der Askanier. Die beiden waren Brüder, regierten die Mark Brandenburg über längere Zeit gemeinsam und teilten die Leidenschaft für damals hochmoderne zivilisatorische Projekte, nämlich die Gründung von Städten (z. B. Eberswalde) und Klöstern (z. B. Kloster Chorin), aber auch für die Anlage von Dörfern/Flecken und den dortigen Bau von Kirchen. 

Wir dürfen uns die Niederfinower Kirche des 13. Jahrhunderts vorstellen als eine Wehrkirche mit gedrungenem, d. h. nur halbhohem Turm und einer den Kirchhof umgebenden etwa 2 m hohen Feldsteinmauer. Die Anlage bot den Dorfbewohnern einen gewissen Schutz gegen feindliche Übergriffe und Einfälle sowie gegen wilde Tiere. Feldstein als Baumaterial war hier im Endmoränenbogen reichlich vorhanden. Die für das Kirchengebäude verwendeten Formsteine mussten allerdings in mühsamer Steinmetzarbeit hergestellt werden. 

Geistlich und materiell wurde das kirchliche Leben in Niederfinow vor der Reformation durch das Zisterzienser-Kloster Chorin bestimmt, und zwar bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1542. Der in den Messen verwendete Wein stammte von den Weingärten, welche die Choriner Mönche vor allem an der Hangseite der heutigen Hebewerkstraße angelegt hatten.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) wurde die Kirche stark beschädigt und ab 1669 mühsam wieder aufgebaut. Der verheerende Ortsbrand von 1729 griff auch auf die Kirche über und zerstörte sie so sehr, dass nur ihre Mauern übrig blieben. Aber schon 1731/32 war aus der Ruine eine neue, mit ihrer Ausstattung einem preußisch-gemäßigten Barock folgende Kirche entstanden. Auch die äußere Erscheinung erfuhr einige Veränderungen. Dieser Zustand ist im Wesentlichen bis heute erhalten geblieben.

 

Ein Rundgang

Der Haupteingang der Kirche befindet sich an der Westseite (Turm), ein Seiteneingang an der Südseite. Die Kirche hat einen rechteckigen Grundriss mit eingezogenem, ebenfalls rechteckigem Chorraum. Zur barocken Ausstattung gehört der im Chor freistehende Kanzelaltar. Sein vieleckiger Kanzelkorb mit Schalldeckel über dem Altartisch wird von zwei toskanischen Säulen eingerahmt. Die Westseite des Kirchensaals wird beherrscht von einer von Wand zu Wand durchgehenden Empore mit einem vorschwingenden Zentralbereich. Seine beiden mittigen Brüstungsfelder tragen (wie draußen das Ehrenmal) die Namen der Niederfinower Gefallenen des 1. Weltkriegs. Im Jahre 1904 erhielt die Kirche eine von Meister Kienscherf in Eberswalde erbaute Orgel. Der geschmackvoll bemalte Orgelprospekt steht nach wie vor auf der Empore, ist aber nur noch eine leere Hülle. In ihr lagert das zerlegte „Innenleben“ der Orgel (Pfeifen, Luftkanäle usw.) und harrt der Wiedererweckung durch großzügige Spender und tatkräftige Handanleger. Zum Glück besitzt die Kirchengemeinde seit 2019 die von Orgelbaumeister Ulrich Fahlberg 1991 gebaute Kleinorgel. Sie deckt alle gemeindlichen Ansprüche bestens ab. 

In den frühen 1990er Jahren wurden die seit 1731 bestehenden Seiten-Emporen abgebaut. Gleichzeitig entfernte man auch die Kirchenbänke und ersetzte sie durch die heutige Bestuhlung. Die Kirchengemeinde macht seit etwa 11 Jahren aus dieser Not eine Tugend und nutzt das Gebäude nicht nur für geistliche, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen, wie Chorkonzerte, Theateraufführungen und Kunstausstellungen. 

Das Geläut

Von den ursprünglich zwei Bronzeglocken im Turm aus dem Jahre 1738 (für 1913 noch nachgewiesen) ist nur noch die größere erhalten und „in Dienst“. Das Geläut und die funkgesteuerte Turmuhr sind funktional miteinander verbunden.

Die Glocke ist mit einem umlaufenden Blumenkorb-Fries verziert. Ihre Inschrift lautet:

„Soli Deo Gloria*. Anno 1738 hat ein Königl. Preuß. Churmärcksches hochlöbl. Amtskirchen-Revenuen-Direktorium diese Nieder Finowsch Glocke gießen lassen. Martin Friedr. Dehne, Past.**, gegossen von I. J. Tiehlen in Berlien“ 

*) dem alleinigen Gott zum Ruhme 
**) Martin Friedrich Dehne war 1715-1752 Pastor in Niederfinow 

Der Kirchhof

Der Kirchhof ist heute eine schlichte, im nordöstlichen Teil mit hohen Bäumen bestandene Rasenfläche. Auf ihr befindet sich ein bemerkenswertes Ehrenmal für die Niederfinower Gefallenen des 1. Weltkriegs (Entwurf von Prof. Hermann Hosäus, Berlin-Dahlem 1922). 

Von der Südseite der Kirche genießt man einen schönen Blick auf das Dorf und in die Weite des westlichen Nieder-Oderbruchs.

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